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Mir reicht´s

„Mir reicht’s! Ich hau ab!“ Ich bin acht Jahre alt und eigentlich soll ich nur das Stück Fleisch aufessen, das ich nicht mag. Wie jeden Sonntag. Aber heute fühlt sich der Strafplatz in der Küche an wie die Hölle und mein mir gut zuredender Vater wie … nun ja … Keine Sorge, das hier wird kein vegetarisches Coming-Out. Es war nur der Auftakt für viele „Mir reicht’s“-Momente in meinem
Leben. Mit Fleischverweigerung fing alles an, sozusagen. Ich bin dann nicht abgehauen. Das abendliche Monopoly-Spiel gegen meine älteren Brüder, dass ich natürlich verlor, wollte ich auf keinen Fall verpassen!

„Mir reicht’s! Ich hau ab!“ Das hat Jesus damals nicht gesagt. Obwohl er viel mehr Gründe dafür gehabt hätte als ich. Stattdessen: „Es ist vollbracht!“ „Vater, vergib ihnen!“ und „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Aber kein „Mir reicht’s!“.

In solchen Momenten denke ich manchmal an diesen seltsamen Meisterprediger, der sein Herz stets auf der Zunge und am rechten Fleck trägt. Immer, wenn ich seine Geschichte lese, denke ich: „Es reicht! Hau doch ab!“ Doch das macht er nicht. Er bleibt. Und diskutiert. Und isst. Und vergibt. Und heilt. Und trinkt Wein. Und tröstet. Und ganz am Ende spricht er noch einmal. Kein „Es reicht!“, sondern eben: „Es ist vollbracht!“ Geheimnisvoll. Bedeutsam.

Damit lässt er mich dankbar zurück. Und zweifelnd. Und irgendwie geborgen, im Gefühl: „Es reicht“. Es reicht aus. Mit ihm komme ich an mein Ziel. Auch wenn ich das selbst noch gar nicht kenne.

Markus Steuer

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