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It’s me – hi. I’m the problem, it’s me.

Manchmal ist der Feind kein die da draußen.
Kein Algorithmus.
Kein System.
Kein anderer Mensch.
Manchmal sitzt er mir direkt gegenüber.
Im Spiegel.
Mit meinem Gesicht.
Mit meiner Stimme.

Manchmal wohnt er in mir.
Da sind diese Gedanken,
die sich anfühlen wie meine eigenen,
aber klingen wie alte Narben.
Du bist nicht genug.
Du bist zu laut.
Zu sensibel.
Zu kompliziert.
Zu viel – oder nie richtig.

Und irgendwann denke ich:
Ja. Stimmt vielleicht.

It’s me, hi. I’m the problem, it’s me.
Nicht, weil ich kaputt bin.
Sondern weil ich mir selbst keine Gnade gönne.
Weil ich Sätze glaube,
die nie für mich gedacht waren.
Weil ich mir selbst Dinge antue,
die ich keinem Menschen zumuten würde,
den ich liebe.

Jesus sagt: „Liebt eure Feinde.“ Und ich zucke zusammen.
Weil ich plötzlich merke: Vielleicht meint er auch mich.

Vielleicht beginnt Feindesliebe nicht erst bei denen, die andere Meinungen haben. Nicht erst bei denen, die mich verletzt haben. Sondern bei dem Teil in mir, den ich am liebsten wegdrücken würde. Taylor Swift singt davon, wie sie sich selbst misstraut. Wie sie nachts wach liegt unter dem Blick der eigenen
inneren Richter*innen. Wie sie sich fragt, ob selbst das Gute, das sie tut, nicht doch eine Maske ist.

Unbequem nah. Und genau deshalb tröstlich. Weil hier niemand so tut, als wäre alles easy. Weil hier kein Filter drüber liegt. Feindesliebe heißt nicht: Alles ist okay. Feindesliebe heißt nicht: Aushalten, was weh tut. Feindesliebe heißt nicht: Sich selbst verlieren. Feindesliebe heißt: Den Kreislauf stoppen.
Nicht noch mehr Druck. Nicht noch eine Stimme, die sagt: Reiß dich zusammen. Nicht noch ein Urteil.

Vielleicht beginnt Feindesliebe genau hier: Dass ich mir selbst Gutes tue, wo ich mich sonst bestrafe. Dass ich mir selbst Segen zuspreche, wo ich mich innerlich verfluche.

Jesus steht nicht da mit erhobenem Zeigefinger. Er stellt sich dazwischen. Zwischen mich und die Stimmen, die mich klein machen. Und er sagt nicht: Streng dich mehr an. Er sagt: Du bist es wert, geliebt zu werden. Auch von dir selbst.

Miriam Heuermann

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