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Dreimal pusten

Das Gleichgewicht auf dem Kinderrad zu halten, war anfangs gar nicht so leicht. Nicht verwunderlich, dass es da immer wieder zu kleinen, zum Glück undramatischen Stürzen kam. Das Ritual war dann immer gleich. Die Schürfwunde wurde vorsichtig von den Erwachsenen oder älteren Geschwistern gereinigt, ein Pflaster geklebt und zum Schluss wurde dreimal gepustet – nicht ohne dabei tröstende Worte zu sprechen wie: „Jetzt wird es gleich besser, merkst du es schon? Ist nicht so schlimm. Nachher kannst du wieder weiterfahren…“. Die Kindheit ist vorbei,
aber manchmal ist es heute noch genauso schwer, das Gleichgewicht zu halten. Es passiert so viel im Leben und in der Welt, dass uns aus dem Tritt und aus unserer Mitte bringen kann. Manchmal, so merke ich, wünschte ich mir dann das Ritual der Kindheit zurück. Jemand, der mich unmittelbar tröstet und dreimal sachte auf die angeschlagene Seele pustet.

Im Neuen Testament wird erzählt, wie Jesus geheilt hat, wie er nicht nur die äußerlichen Gebrechen, sondern auch die der Seele angesehen hat. Daran will ich mich erinnern und in meinen Gedanken das Ritual des dreimal Pusten heute so verstehen, dass Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist mich dreifach begleitet, wenn ich das Gleichgewicht verloren habe. Ein
Vers aus dem Buch Jeremia soll dafür meine Formel sein, mich ganz auf diesen Trost einzulassen: „Heile mich, Herr, dann bin ich geheilt! Hilf mir, dann ist mir geholfen!“ (Jeremia 17,14). Und dann: innerlich dreimal pusten. Welch schöne Übung für die kommende Zeit, achtsam zu werden für die
Momente, wo uns jemand tröstet oder wir Trost spenden können. Dreimal Pusten. Merkst du schon, wie es besser wird?

Klaas Grensemann

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