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Die geheimnisvolle Tür

Du steigst aus dem Bus, dann bist du allein auf der Straße. Irgendwo muss es hier sein. Du schaust in alle Richtungen. Etwas entfernt siehst du ein Haus, das ist es. Haus? Nein es ist
eher eine Villa oder ein kleines Schloss. Langsam gehst du darauf zu. Vor dem Haus ist ein kleiner hübscher Garten. Du öffnest die Pforte, stapfst den kleinen Weg entlang und näherst dich dem Eingang. Jetzt spürst du deine Aufregung, dein Herz klopft. Du bist da. Du stehst vor einer großen massiven Tür aus Holz mit einigen Stufen davor. Stimmen dringen nach Außen, sie sind fröhlich, fast ein wenig vertraut. Als du jemand lachen hörst, freust du dich und denkst: Hier bin ich richtig.
Dann gehst du die Stufen hoch und suchst die Klingel. Vergeblich.

Es gibt keine Klingel. Die Tür hat nicht einmal eine Klinke oder ein Schloss. Was ist das für eine Tür? Man kann sie scheinbar nur von Innen öffnen. Zaghaft klopfst du an das massive Holz. Du wartest einen Moment. Es scheint niemand zu hören. Mist! Jetzt kommt auch noch Musik von Innen. Mit der Faust schlägst du auf die Tür ein und rufst laut. „Hey macht auf! Ich bin´s.“ Nichts. Die Tür regt sich nicht einen Millimeter. Ein Gedanke kommt dir. So laut du kannst, rufst du: „Hey, ich habe genügend Geld dabei! Lasst mich rein, ich zahle.“ Nichts. Dann wartest du einen Moment
und grübelst. Du klopfst nochmal und sprichst freundlich, aber laut: „Ich bin total nett. Ich habe mich extra schick gemacht… lasst mich doch rein.“ Nichts. Du ziehst dein Handy aus der Tasche und googelst. Keine Idee. Dann hast du doch noch eine Idee. Du machst ein Foto vom Haus und rufst: „Hey, ihr da, ich poste gleich ein Foto und schreibe dazu böööse Dinge. Lasst mich besser rein.“ Nichts. Du wartest wieder einen Moment. Dann gehst du einige Schritte zurück, um gleich darauf Anlauf zu nehmen. Mit Schwung schleuderst du dich gegen die Tür. Autsch! Das tat weh. Die Tür rührt sich nicht. Drinnen hörst du weiter die fröhlichen Stimmen. Musik. Traurig stehst du da. Das war wohl nichts.

Enttäuscht drehst du um und denkst dir: „Ich kann machen, was ich will: nett sein, Geld anbieten, drohen oder Gewalt anwenden. Es hat keinen Sinn.“ Dann entschließt du dich zu gehen. Als du gerade die erste Stufe hinuntergehst, tippt dich jemand von hinten an. Erschrocken drehst du dich um. Da steht ein Typ vor Dir. Er sieht dich freundlich an: „Was ist? Komm rein!“ Dann bemerkst du etwas Verrücktes, die Tür, sie ist nicht mehr da! Als du gerade etwas sagen möchtest, spricht er schon weiter: „Komm einfach mit rein. Und wenn jemand fragt, du gehörst zu mir. Willkommen!“ Du kannst dein Glück kaum fassen und schreitest in das Haus.

Jesus sagte von sich: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden.“ (Johannes 10,9) So beschreibt Jesus sich selbst als Zugang zu allem Gutem und zum ewigen Leben. Den Zutritt in die Gemeinschaft mit Gott können wir uns nicht erkaufen, verdienen oder mit Gewalt erzwingen. Es ist allein seine Gnade. Er selbst ist die Tür und er öffnet sie dir. Du bist willkommen!

Ulrich Schön

(Nach einer Idee von Holger Pyka (2019), Spiel mit dem Wort, Göttingen, S. 100 ff.)

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