Am Bahnsteig
Ich stehe wie jeden Morgen am Bahnsteig und warte auf den Zug. Wie gewohnt hat er zehn Minuten Verspätung. In einer Hand halte ich einen Kaffee. Mit der anderen greife ich wie selbstverständlich in meine Jackentasche, um mein Handy rauszuholen. Ich starre auf meinen Bildschirm und sehe EMails, die beantwortet werden müssen, irgendwelche neuen
Instagram Posts und drei Snaps von meinen Freunden.
Seufzend stecke ich das Handy wieder in meine Jackentasche zurück und lasse meinen Blick schweifen. Die meisten Leute schauen, wie ich eben, in ihre Handys oder hören Musik. Niemand
sieht, wie das Kind der Mama stolz das gemalte Bild zeigt oder wie die alte Dame ihren Hund streichelt. Niemand bemerkt, wie ein Mann auf der anderen Seite seine Einkäufe verstaut.
Er sieht auf und ich lächle ihm zu. Ich schaue nach oben und beobachte, wie die Wolken weiterziehen und sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke kämpfen. Ich schließe die Augen und genieße die Wärme, die ich auf der Haut spüre. Ein kurzer Moment der Ruhe und der Sorglosigkeit.
Eine Welle der Dankbarkeit überkommt mich. Eine Dankbarkeit, für all die kleinen Momente, die ich eben erleben durfte. Für das Lächeln des Mannes, für die Liebe der alten Dame für ihren Hund, für das glückliche Kind, das seiner Mama ein Bild zeigt. Ich atme noch einmal tief durch, danke Gott für die Momente, die er mir geschenkt hat und dass er an diesem Morgen bei mir ist. Als ich die Augen wieder öffne, fährt die Bahn ein. Ich steige ein und fahre los. Los in einen Alltag, bei dem ich weiß, dass Gott an meiner Seite ist.
So schnell gehen wir achtlos durch den Tag. Nimm dir einen Moment Zeit und überlege, was für besondere Momente Gott Dir heute geschenkt hat?
Freddy Fendler
